Donnerstag 22. Februar 2018

12.02.2018 / Graz

Eine Fasten-Familie erzählt

Eine Familie aus Deutschlandsberg beschließt an der Aktion Autofasten teilzunehmen - eine von drei Fastenaktionen der Katholischen Kirche Steiermark in der Fastenzeit vom 14. Februar bis 31. März. Im Interview erzählen Astrid und Thomas Mellak über Verkehrspolitik, Bewusstseinsbildung und Erfahrungen mit Verzicht.

 

 

MARTIN GSELLMANN UND JOHANNA STROHMEIER

 

Was bedeutet "Fasten" für Sie?

Thomas: Einmal habe ich in der Fastenzeit eine Woche lang komplett aufs Essen verzichtet. Das war schon eine spannende Erfahrung. Jemand, der das noch nie gemacht hat, kann sich das schwer vorstellen. Es ist auch sozial gesehen etwas kompliziert. Wir waren in der Zeit zu einer Geburtstagsfeier eingeladen und die Tische haben sich vor Essen gebogen. Die Erfahrung, wenn man dann wieder zu Essen beginnt, ist auch eine besondere. Man merkt wieder, wie gut alles schmeckt.

Astrid: Also ich faste ein wenig anders. In der Fastenzeit versuche ich üblicherweise Süßigkeiten wegzulassen. Alkohol etwa ist gar kein Thema, weil ich es nicht einmal merken würde, wenn ich ein paar Wochen keinen getrunken hätte. Für mich heißt Fasten auf etwas zu verzichten, das mir ein wenig „weh tut“. Man soll es merken. Was ich aber auch über die religiöse Fastenzeit hinaus probiere, ist das „Kleiderfasten“. Ich verzichte eine gewisse Zeit auf das Kaufen von Kleidung. Dafür bin ich anfällig. Damit habe ich auch schon einige angesteckt.

 

Hat Fasten für euch auch eine spirituelle Dimension?

Astrid: Nicht wirklich. Beim Autofasten habe ich schon ein paar Mal mitgemacht. Wir fahren ohnehin wenig mit dem Auto, aber durch die Anmeldung bei Autofasten schaut man noch bewusster hin. Man muss natürlich mehr planen und überlegen, wie man gewisse Strecken ohne Auto bewältigt und es dauert meist etwas länger mit dem Zug. Die Aktion Autofasten hat mich schon motiviert etwas bewusster mit dem Auto umzugehen.

 

Warum haben Sie sich entschlossen, bei der Aktion Autofasten mitzumachen?

Astrid.: Ich hab uns einfach angemeldet und habe mir gedacht, das passt für Thomas auch. So fahre ich auch bei Minustemperaturen den Weg zur Schule mit dem Rad, Thomas fährt mit dem Rad zum Bahnhof und dann weiter nach Graz in die Arbeit.

Thomas: Ich arbeite bei der Firma Anton Paar, die es einem leichter macht, mit dem Zug zu kommen. Sie unterstützt Mitarbeitende, die mit öffentlichen Verkehrsmittel, mit dem Rad oder zu Fuß kommen. Ich hab das Glück, dass der Zug unmittelbar vor dem Betriebsgelände stehen bleibt. Außerdem bin ich ein leidenschaftlicher Zugfahrer. Die Aktion Autofasten kannte ich auch schon, weil einige in der Firma mitmachen, die das teilweise auch aus religiöser Motivation machen.

 

Es gibt ja neben der Aktion Autofasten noch die Aktion Fleischfasten und die Aktion Familienfasttag. Kennen Sie diese Aktionen?

Thomas: Familienfasttag, das ist doch das Suppenessen am Suppensonntag?

Astrid: Ja, das ist uns bekannt. Fleischfasten tun wir eigentlich fast immer, weil wir wenig Fleisch essen, aber nicht so, dass wir die ganze Fastenzeit kein Fleisch essen würden. Wir essen eben gern auch andere Lebensmittel und gehen mit dem Lebensmittel Fleisch, das wir regional kaufen, bewusst um.

 

Ist es motivierend, wenn das berufliche Umfeld den bewussten Umgang mit Mobilität fördert? Oder umgekehrt gefragt: Wäre es schwieriger, wenn es kein Verständnis dafür gäbe?

Thomas: Das Umfeld gehört schon dazu.

Astrid: Vor allem, wenn es kalt ist, fällt es auf, wenn ich mit dem Rad fahre. Da werde ich öfters darauf angesprochen. Das Rad wird eher nicht so als Fortbewegungsmittel für den Alltag, sondern als Sportgerät für die Freizeit wahrgenommen. In Graz ist das sicher eine andere Situation.

 

Haben Sie Ideen, wie man mehr Menschen motivieren könnte, andere Formen der Mobilität zu nutzen?

Thomas: In der Firma hat man für jeden Mitarbeiter die Mobilitätskosten errechnet. Da sind irrsinnige Summen herausgekommen. Ein paar Kollegen sind daraufhin tatsächlich konsequent auf E-Bikes umgestiegen. Aber der Großteil hat sich nicht motivieren lassen. Ich denke bei uns ist das Auto noch immer ein Statussymbol, obwohl viele wissen, dass es anders gescheiter wäre.

Astrid: Viele kleine Strecken, manche weniger als einen Kilometer, werden am Land mit dem Auto gefahren. Die Aktion Autofasten könnte einen Anstoß geben, liebgewordene Gewohnheiten zu ändern.

 

Finden Sie es hilfreich, wenn die Katholische Kirche Steiermark solche Aktionen macht, es einfach einmal selbst zu probieren?

Astrid: Ich denke, Jugendliche erreicht man nur über die Eltern und wenn dort das Bewusstsein nicht da ist, hast du keine Chance. Die Kirche, wenn man diese Zielgruppe in den Blick nimmt, muss sich fragen, wie man diese erreicht. Es braucht immer eine Gruppe, die ein solches Thema trägt.

Thomas: Im Fernsehen sieht man auch nur die coolen Autos und nicht die coolen Räder. Es gibt natürlich auch Sportler, aber die Alltagsradler, die sind selten. In Graz sieht man zum Vergleich, dass das Rad auch „cool“ geworden ist, Fixies und dergleichen.

Astrid: Unsere erwachsenen Kinder in Graz brauchen kein Auto. Sei bewältigen alle Strecken mit dem Rad.

 

Gibt es Wünsche für die Verkehrspolitik?

Astrid: Wir haben hier in Deutschlandsberg eigentlich ein gutes Radwegenetz.

Thomas: Ich habe schon ein paar Mal nachgedacht darüber, was man tun könnte. Ob man das Autofahren etwa noch teurer machen müsste…

Astrid: Nein, ich denke es liegt am Bewusstsein.

 

Wenn sie an die Fastenzeit denken, was sind Situationen, in denen das Autofasten schwer fallen wird?

Astrid: Wahrscheinlich wenn wir abends am Wochenende in Graz unterwegs sind und am nächsten Morgen von dort zurück bequem ins Auto steigen wollen. Da fahren die Züge nicht so oft und dann muss man mehr koordinieren. Also Wochenendbesuche und Aktivitäten werden vermutlich mehr organisatorischen Aufwand beanspruchen.

Thomas: Gewisse Dinge, zum Beispiel Skifahren, werden ohne Auto aber nicht gehen. «

 

Familie Mellak

 

 

Astrid und Thomas Mellak leben in Deutschlandsberg in der Südweststeiermark.

 

Astrid ist Lehrerin für Deutsch, Philosophie, Psychologie und Ethik am BORG in Deutschlandsberg.

 

Thomas pendelt jeden Tag zu seiner Arbeitsstätte Anton Paar in Graz.

 

Über ihre Erfahrungen in der Fastenzeit berichten sie auf www.katholische-kirche-steiermark.at/fasten

 

Autofasten ist mir von Anfang an wichtig gewesen. Gerade eben habe ich mit dem Rad wieder schneller und bequemer meine Tochter abgeholt. Mit dem Auto hätte das länger gedauert, mehr Geld und Reccourcen benötigt und natürlich den Klimawandel beschleunigt.
So habe ich neben der körperlichen Bewegung das gute Gefühl, sinnvoll gehandelt zu haben, denn ich habe habe beigetragen zur Bewahrung der Schöpfung.
Pfarrer Michael Meyer
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Verein zur Förderung
kirchlicher Umweltarbeit
Stephansplatz 6
1010 Wien

info@autofasten.at
Darstellung:
http://www.autofasten.at/